Die Zentralfigur der Arbeit "skin-deep" ist ein Hase. Der Hase ist ein kleines felliges Tier, das sich durch große Reproduktionsbereitschaft, eine schnelle Fluchtgeschwindigkeit und virtuoses Taktieren (Hakenschlagen) auszeichnet. Der Hase ist ein archaisches Tier, das seit vielen Jahren die Welt bevölkert. Seine sexuelle nimmermüde Tätigkeit hat ihm ein ebensolches Image verschafft. Das etwas tumbe, schlichte Gemüt des Hasen, der stets nur an das eine denkt und meist auch nur das eine tut, hat sich vor allem zur Spezifizierung des weiblichen Geschlechts bestens geeignet: der sexy Bunny ist eine klassische Bildikone bestimmter gesellschaftlicher Schichten.

Der Mechanismus der Sexualität hängt von jeher an demselben evolutionären Grundmuster, dessen Ausrichtung sich allerdings verschoben hat. War der Fokus zu früheren Zeiten die Arterhaltung und damit die Fortpflanzung, so zeichnen sich die modernen Gesellschaften durch andere Zielpunkte aus. Sexualität ist gegenwärtig Selbstzweck, Bestätigung der persönlichen wie geschlechtsspezifischen Bedeutung. Immer noch wirksam sind jedoch rudimentäre Auslöser wie Alter, Kindchenschema oder WHR (=Verhältnis der Proportionen von Taille und Hüfte). Der zentrale Hase in der Arbeit "prohase" dient, geschmückt mit dem eigenen Fell, als Modell einer Lebensauffassung wie auch als Modell für die ihn umgebenden seriellen Siebdrucke – die ihn in fünf unterschiedlichen Ansichten präsentieren. Zum Ausdruck kommt auch hier, die oft verzweifelten Versuche, die nicht nur Hasen unternehmen, um sich optisch den gesetzten Vorbildern zu nähern.

Der gleiche Hase findet sich auch in den anderen Arbeiten, dieses Mal vor einem Camouflage Hintergrund. Dieses Muster ist den Versuchen des Militärs, Kriegsgerät und Soldaten unsichtbar zu machen, entlehnt. Bei der Arbeit "camouflage 1-5" dient es als Folie für die Hasen, die in ihren einzelnen Posen vor dem unsichtbar machen sollenden Hintergrund sitzen – einem Hintergrund, der sie aber nicht unsichtbar werden lässt, sondern im Gegenteil ihre Eigenarten betont. Die unlösbare Diskrepanz zwischen den Anforderungen einer Gesellschaft, die immer stärkere Akzente auf die Äußerlichkeiten legt, die genormt sind und das Individuelle zunehmend nivellieren–und der sehr individuellen Erscheinung des Einzelnen ist die feindliche Welt, in deren Teufelskreis sich viele Frauen seit Jahren immer verzweifelter drehen. Alle Camouflage-Versuche, mittels Kleidung, Kosmetik und Schönheitsoperationen, scheitern im realen Leben wie im Dasein der Hasen-Stellvertreterinnen notwendigerweise.


abteilung kunstsprech/blabla zum probunny, dr.nops

 
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